look at me

look at me – textile illustrationen

Mode lebt von ihrer Inszenierung – eine Illustration oder Fotografie macht das präsentierte Kleidungsstück mitunter erst begehrenswert. Dabei sind es besonders Pose und Blick der Trägerperson, die ein Textil in Szene setzen. Die Stickereien schließen daran an – sie sind inspiriert von 80er Jahre Modemagazinen. Kantige Formen, weite Schnitte, knallige Farben sind Kennzeichen dieser Ära. Die Dreierserie “Look at me” visualisiert dies in Form freier Maschinen- und Handstickerei.

Material: Baumwolle, Leinen, Polyester/ Oldenburg 2021

lake eden
LAKE EDEN

Lake Eden ist inspiriert von der Bauhauskünstlerin Anni Albers (1899 – 1994) und ihrer Zeit im amerikanischen Exil. Nach erfolgreichem Studium am Bauhaus (1922 – 1933) folgte sie zusammen mit ihrem Mann Joseph Albers dem Ruf am progressiven Black Mountain College in North Carolina zu lehren. Sechzehn Jahre leitete sie dort die Weberei und führte parallel ihr künstlerisches Schaffen fort. Der Weg ins Exil hing aufs Engste zusammen mit der Möglichkeit ein Leben zu führen, das persönliche und künstlerische Freiheit vereinte. Im nationalsozialistischen Deutschland war diese Perspektive durch die Schließung des Bauhauses 1933 und Albers jüdischer Herkunft aussichtslos.

INSPIRATION

Gelegen in malerischer Natur am „Lake Eden“ wirkt das Black Mountain College wie eine Insel, isoliert vom politischen Weltgeschehen. Ein eigener Kosmos von Kunstschaffenden und Lehrenden. Inspiriert von der Imagination dieses Ortes und der Nähe Anni Albers zur freien Malerei sind Aquarelle entstanden, die ihre textile Umsetzung im Strick und als Jacquardgewebe gefunden haben.

studienprojekt/ textildesign/ 2017 burg giebichenstein
werde, die du bist
Element-1-Projekt-vor-1915

„In der Irrenanstalt des Doktor Behrend, in der Nähe Berlins, machte eine alte Frau – sie mochte nah an sechzig sein – Aufsehen. […]. Man hätte glauben sollen, dass diese alte Frau eine große Dichterin gewesen und dass ein Übermaß geistiger Erregung die Gehirnstörung bewirkt habe. Das Gegenteil war der Fall. Der Nervenarzt, der sich für diese merkwürdige Form von Irrsinn interessierte, zog Erkundungen über ihr Vorleben ein. Was er erfuhr, setzte ihn in das höchste Erstaunen doch war in keiner Weise angetan, das Rätsel ihres Wesen zu lösen“

Hedwig Dohm: Werde, die Du bist! München 2013 [1894], S. 33.
„Werde, die Du bist!“
Hedwig Dohms Novelle „Werde, die Du bist!“ aus dem Jahr 1894 erzählt das Leben von Agnes Schmidt, einer Frau um die Sechzig, die aufgrund eines „unerklärlichen Nervenleidens“ ihren Lebensabend in der Psychiatrie verbringt. Aller mütterlichen und ehelichen Pflichten entbehrt (die Töchter sind erwachsen, der Mann verstorben) wägt sie den wahren Kern ihrer Persönlichkeit tief vergraben unter einem Trugbild gelebter Konventionen. Der diagnostizierte Wahnsinn offenbahrt sich mehr und mehr als Ausbruch eines unterdrückten Selbst.
studienprojekt/ textildesign/ 2016 burg giebichenstein

 

herzlichst, trude

Trude Jalowetz-Guermonprez

Zwei Jahre studiert die Textilkünstlerin und Designerin Trude Jalowetz-Guermonprez (1910–1976) unter der Leitung der Bauhausabsolventin Benita Koch-Otte (1892 – 1976) Weberei an der Burg Giebichenstein. Sie muss gehen, als die Schulleitung 1933 beschließt, alle Studierenden und Lehrenden jüdischer Herkunft vom Lehrbetrieb auszuschließen. Die damals zwanzigjährige Trude taucht bei Freunden in den Niederlanden unter bis familiäre Umstände und die Möglichkeit einer künstlerisch-beruflichen Existenz sie 1947 in die USA führen, zuletzt nach San Francisco. Zu jener Zeit ist der Brief oft die einzige Möglichkeit vertraute Kontakte zu halten. Das Deutsche Kunstarchiv Nürnberg ermöglichte mir die Einsicht in Briefe der Textilkünstlerin an den befreundeten Bildhauer Gerhard Marcks (1889 – 1981), verschickt aus dem niederländischen und amerikanischen Exil.      

Strickserie „Herzlichst, Trude“

Den Gedankenaustausch in Briefform umgibt eine Nähe, die stark vom Materiellen herrührt. Beide Seiten erfahren dasselbe Stück Papier, ganz gleich welche Distanz sie trennt. Die individuelle Handschrift beflügelt die Imagination. Man liest wägt sich auch physisch der schreibenden Person nah. Ausgehend von der Materialität und Geschichte dieser Briefe entstand die Strickserie „Herzlichst, Trude“.

bachelorarbeit/ textildesign/ 2017 burg giebichenstein
luna filum
maschinengestrick aus edelstahlstraht und polyester
studienprojekt/ textildesign,/ 2016 burg giebichenstein
ins blaue_elf uhr nachts
elf uhr nachts

Der französische Regisseur Jean Luc-Godard erzählt eine abenteuerliche Liebesgeschichte, die als „Fahrt ins Blaue“ beginnt und endet: Ein verheirateter Mann trifft zufällig auf seine ehemalige, inzwischen jedoch kriminelle, Geliebte und brennt mit ihr durch. Es beginnt ein Leben auf der Flucht, das mit Betrug und dem dramatischen Tod beider endet.

Inspiriert von der Stimmung, transportiert über Bilder, Sprache und Musik, versuchte ich mich an eine textile Interpretation des Novelle Vogue Klassikers aus dem Jahr 1965. Enstanden sind Web- und Strickexperimente, die das Wesen der Charaktere und die filmische Atmosphäre einzufangen versuchen.

studienprojekt/ textildesign/ 2016 burg giebichenstein